Chile 15.08. – 28.08.11

Wir hatten ja schon im letzten Bericht kurz geschrieben, was für eine andere Welt San Pedro für uns war. Dieses Dörfchen (oder soll ich sagen Städtchen?) lebt zwar hauptsächlich vom Tourismus, aber irgendwie wohnen dort nur Alternative Leute, was uns natürlich super gut gefallen hat. Wir haben uns einfach total wohl gefühlt. Bis auf den ersten Campingplatz, der war, na ja. Der Besitzer war jeden Abend so was von besoffen, dass er am zweiten Abend Steve auf dem Klo abgefangen hat und ihm eine reinhauen wollte, wohl weil er ein Bolivien-Trikot anhatte. Huiihuiihuiii.
(Die Copa de America war gerade vorbei, allerdings wurde Chile von Venezuela aus dem Rennen gekickt… vielleicht lags auch am komischen Nationalstolz der Chilenen….Diese Nationalfahnen überall….)
Auf jeden Fall hats uns in San Pedro so gut gefallen, dass wir überlegt hatten ob wir nicht dort arbeiten sollen. Doch leider wollten die Leute vom Hotel jemanden für länger und nicht nur für einen Monat. Aber wenigstens hab ich noch ein paar Visitenkarten an die schwarzen Bretter, dies überall gibt, verteilt… Also Daumen drücken… =)
Das Leben in Chile war wieder relaxter und vorallem auch genussreicher… Es gibt in San Pedro eine schweizer Bäckerei die vorallem klebrige Törtchen herstellt und ganz wichtig einen Olivenstand auf dem Gemeindeparkplatz, der die besten Oliven, das beste Brot (Sauerteig-Baguette von einem Franzosen gebacken) und vorallem das beste Olivenöl hat. Yummiiii…
Dank Alfred und Marions super Karte wussten wir dass wir an der Salzlagune in der Salar de Atacama (die hier nicht weiß sondern braun ist) problem los übernachten konnten und so zogen wir von dem doofen Campingplatz zu den Salzseen. Die Ojos de Cejar Lagune ist so salzhaltig, dass man dort beim Schwimmen einen noch stärkeren Auftrieb hat als im Toten Meer, allerdings wars bei zu kalt….
Wies dort aussah, nun hier im Stream:

Zurück von den Lagunen, beschlossen wir nochmal nach San Pedro zu fahren und wählten ein schickes Hostel mit Hinterhofparkplatz, ganz nah am besten Eisstand der ganzen Tour. Soooo gutes Eis, nur noch übertroffen von den abartig besten Empanadas ganz Südamerikas, gefertigt von der Boboashanti-Rasta-Gemeinde (die mit den Turbanen) dies auch in San Pedro gibt.

Natürlich durfte ein Sonnenuntergang im Valle de la Luna (Tal des Mondes) nicht fehlen. Das Tal an sich war ziemlich beeindruckend, der Sonnenuntergang mit hunderten anderen Touris, nicht ganz so wie wirs uns vorgestellt haben, aber vielleicht sind wir auch einfach nur verwöhnt.
Hier könnt ihr euch ein eigenes Bild davon machen :-) :

Nach fast einer Woche aber mussten wir auch dem reizenden Städtchen in der kargsten Wüste der Erde mal den Rücken kehren, denn wir wollten hoch nach El Tatio zu den höchstgelegensten Geysiren der Welt (ja ja, immer diese Superlativen….). Es ging mal wieder auf über 4000m hoch und die Strecke war leider nicht im besten Zustand. Zitat Steve: „Definitv die beschissenste Strecke der ganzen Tour bis jetzt“. Das Problem war, dass die Hauptstraße, zwar auch nur Wellblech, aber wenigstens nicht Geröll, noch an den meisten Stücken mit Schneebergen zu, und somit defenitiv unpassierbar war. So blieb nur die Ausweichroute über Stock, Stein und teils tiefen Sand. Aber auch dies hat unser geliebter Roji mit Bravour gemeistert.

Road closed
durch diese Schnee-eis-schicht kommt dann selbst Roji nicht mehr durch

Als wir oben ankamen waren die Kassenleute gerade am gehen und konnten uns gerade noch unsere 10.000 Eintritt und 4.000 fürs Übernachten auf dem Parkplatz abnehmen. Sie meinten die Ablösung würde gleich kommen. Sie kam aber nie und wären wir nur ne halbe Stunde später angekommen, dann hätten wir gar nicht zahlen müssen… Tja, thats life…. Wir sind gleich runter zu der heißen Quelle, haben uns unserer Sachen entledigt und sind reingesprungen, Steve mit seinem Badewannen-Bier in der Hand, nur um festzustellen, dass diese heiße Quelle nicht gerade heiß war…. :-)
Die Geysire kann man eigentlich nur morgens von 6 uhr bis 8:30 wirklich bewundern, denn dann steigen die riesigen Rauchsäulen in den Morgenhimmel empor.
Also sind wir auch nach einer eisreichen Nacht um 5:30 aus unseren Mammutschlafsäcken geschlüpft, haben dann ne halbe Stunde damit zugebracht wenigstens ein kleines Guggloch frei zu bekommen und sind den dutzenden anderen Autos runter zum Geysirfeld gefolgt…

Guckloch Geysire
am Morgen

Die Busse und Autos fahren in San Pedro gegen 4 Uhr nachts los um pünktlich oben anzukommen, uns ist es ein Rätsel wie die das machen. Aber wahrscheinlich halt Routine… Uns wärs auf jeden Fall viel zu riskant gewesen in der Dunkelheit dort hoch zu tuckern.
Aber das Schauspiel am Morgen war wirklich die Strapazen wert, auch wenn es soooooooooo arschkalt kurz vor Sonnenaufgang war, dass wir dachten unsere Hände und Füße würden abfrieren. (Wir sind ja nach wie vor im tiefsten Winter….)
Hier die tollen Geysir-Bilder:

Von den Geysiren aus wollten wir endlich ans Meer, ins Surfernest Iquique und um dorthin zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man nimmt den Weg nach San Pedro zurück um dann von dort aus auf Teer bis nach Calama zu brettern, oder aber gleich die Abzweigung von den Geysiren aus, über Berg, Sand und Stein, nach Calama zu gelangen. Wir hatten gehört, dass diese Strecke super schlecht sein soll, aber da wir ja ein extremes Problem damit haben Strecken 2x zu fahren, entschlossen wir uns für die schlechtere Variante…
…Nur um dann extrem positiv überrascht zu werden. Nach einem kurzen Allrad-Steilbergauf-Sand (da der eigentliche Weg mal wieder durch Schnee unpassierbar war) kamen wir plötzlich auf eine ziemlich gute Straße die dann auch noch teilweise geteert war. Hui, was für eine Überraschung.
Also straight nach Calama, dort eine Nacht auf nem Campingplatz (beim Stadion) verbracht, die allenernstes eine Waschmaschine zur freien Benutzung hatten. Das war genial!!!
Und am nächsten Tag runter, immer weiter runter, zum MEER !!!!! Wir entschlossen uns nicht die Route entlang der Panamericana, sondern über Tocopilla die Küstenstrasse nach Iquique zu nehemen. Sehr empfehlenswert!


Roji sieht das Meer

küstenstr.
Küstenstrasse nach Iquique

Mensch, endlich mal wieder frei durchatmen können (diese Höhe verursacht immer bissi Atemschwierigkeiten, eine extrem trockene Nase und Haut, sowie desweilen Kopfschmerzen…) Und überhaupt MEER!!!
Leider sind wir auch hier im tiefsten Winter, und die Wolkendecke hielt sich konstant. Iquique liegt auf einem schmalen Küstenstreifen, und im Hintergrund türmen sich die Sand-Stein-Berge… Die Wüste…. Hier und in Arica hats auch einige Geoglyphen an den Felshängen. Geoglyphen sind Scharrbilder die Hunderte, gar Tausende Jahre alt sind und sich bei dem trockenen Wüstenklima ausgezeichnet halten.
Wir sind erstmal stundenlang durch Stadt und Vorstadt-Strände gegurkt, auf der Suche nach einem Schlafplatz, aber irgendwie hat sich nix wirklich gut angefühlt. Bis auf dem Parkplatz vor einem echt netten Backpacker Hostel, die meinten wir könnten gerne dort übernachten.
Also schnell noch Pizza kaufen, das sehr lustig war, denn wir gerieten an die putzigste Familienpizzeria (mit 3 tischen) überhaupt. Der Besitzer hat 5 Jahrelang in Italien bei Napoli gewohnt und ein Teil seiner Söhne ist noch dort. Die komplette Pizzeria hat uns in den Beschlag genommen und wollten uns gar nicht mehr gehen lassen… Es war so unglaublich nett dort. :-) Wer jemals nach Iquique kommt: Pizzeria Filo d´oro in der Calle O´Higgins!!! Sowieso kamen uns die meisten Chilenen sooooo unglaublich freundlich und gesprächig vor. Vielleicht lags auch nur daran, dass wir die letzten 2 Monate bei den eher zurückhaltenderen Bolivianern verbrachten, aber wir haben uns richtig wohl gefühlt in Chile.
Vorallem drängeln die Chilenen nicht so beim Autofahren, dennoch sind die Straßenränder übersäht mit Kreuzen, die teilweise riesige Tempel sind, für die Verunglückten im Straßenverkehr. Schon wirklich schockierend wenn ungelogen alle 2 km eine weitere Gedenktafel steht.


traurig gewohntes Bild auf Chiles Strassen

Am zweiten Tag haben wir uns die Stadt angeschaut, haben Roji seine langversprochene Dusche gegeben, unsere Vorräte aufgefüllt, eine riesige zollfreie Shoppingmall (10x größer als das Olympiaeinkaufszentrum!!) besucht und haben uns wieder auf die Suche nach nem Strandparkplatz gemacht, nur um am Ende des Tages wieder vor dem Hostel zu landen.
Im Sommer ist das Ganze bestimmt kein Problem mit dem Strandübernachten, aber jetzt im Winter, wars irgendwie komisch.
Am nächsten Morgen stand dann ein schweizer Motorradreisender vor unserem Auto und hat in seinen Erinnerungen geschwelgt und uns beiläufig erzählt dass heute und morgen (24ster und 25ster) Generalstreik in Chile sei. Wir hatten die Entwicklung ja schon zuvor verfolgt, wussten von diesen Tagen aber noch nix. Gerade als wir aufbrechen wollten nach Arica, startete die Großdemo. Sehr lustig anzusehen, denn die Leute verkleiden sich richtig.
Die Stadt war wie ausgestorben, fast alle Läden waren zu.
Wir haben uns trotzdem fürs Weiterfahren entschieden, trotz Sarahs aufflammender Demolust. Denn wir meinten, wir könnten ja dann morgen in Arica gehen. Sehr praktisch wenn sich das Ganze über 2 Tage erstreckt.
Es ist echt beachtlich was sich grad in Chile tut, Zeit wirds. Chile hat ja momentan wieder die erste Rechte Regierung seit Pinochet. Wäre schön, wenn das mal wieder gestürzt würde.

Hier die Bilder von Iquique und dem Weg dorthin:

Auf dem Weg von Iquique nach Arica sind wir jetzt das erste Mal auf der berühmt berüchtigten Panamericana gefahren. Doch kurz zuvor gabs noch was zum Anschauen, nämlich die ausgestorbene Geisterstadt Humberstone. Diese Stadt wurde 1872 in Folge der Salpeterproduktion gegründet. Als man jedoch um 1960 rum anfing Salpeter chemisch herzustellen, verließen alle Leute komplett die Stadt. Die Geisterstadt zählt heute zum UNESCO-Kulturerbe und man kann sie besuchen und stundenlang durch die leeren Häuser wandeln. Man fühlt sich so richtig in eine andere Zeit zurückversetzt!!!
Geisterstadt Humberstone:

Weiter auf der Panamericana in Richtung Arica liegt auch das Örtchen Pisagua, das unter Pinochet als Konzentrationslager benutzt wurde. Dort wurden riesige Massengräber ausgehoben. Wir hatten uns kurz überlegt dort vorbeizufahren, aber allein der Gedanke daran war schon extrem bedrückend.
So sind wir weiter nach Arica, wieder ans Meer. Wohlwissend, dass es dort am Strand einen Campingplatz gibt. Dort angekommen, mussten wir mal wieder feststellen dass Winter ist, am ersten Camping wurden wir abgewiesen und beim zweiten kam zum Glück nach ner Stunde warten jemand.
Der Strand von Arica ist ewige kilometerlang, und im Sommer bestimmt super toll. So wird er momentan hauptsächlich von Millionen von Möwen und Pelikanen bewohnt und hin und wieder sieht man Surfer in ihren Neoprenanzügen…
Am 25sten sind wir also 6 km in die Stadt gelaufen und haben leider die Demo verpasst, dennoch war auch hier vom Generalstreik zu spüren. Vorallem da viele Leute kopfschüttelnd an den Zeitungsständern standen, denn am 24sten wurde bei den Auseinandersetzungen in Santiago ein 16-jähriger von der Polizei erschossen.
Ansonsten war Arica ganz nett…Es gibt eine Kirche und das ehemalige Zollgebäude die von Gustave Eiffel entworfen und in seinem Pariser Atellier gebaut, in Einzelteilen über den Ozean geschippert und vor Ort wieder zusammengebastelt wurde. Sind richtig hübsch die zwei Gebäude, zwar auch aus Stahl (was sehr außergewöhnlich für eine Kirche ist), aber ziemlich schnucklig. Außerdem konnten wir lange am Meer entlang laufen und die schöne Salzluft schnuppern… Desweiteren haben wir noch einen Abstecher zu einem imposanten Höhlen-Küsten-Wanderweg unternommen, der zu einer Seelöwenkolonie führt.
Hätten nicht gedacht wirklich welche zu sehen, aber dann lagen einfach die dicken Dinger auf der Insel vor uns… WOW!!!!…

Als wir da so standen, kam dann sogar noch ein Robbe mit einem Fisch im Maul zu uns rüber geschwommen, konnten nur noch kurz den Kopf sehen, dann wars wieder untergetaucht.
Seitdem will Sarah gar nicht mehr in die Berge, Steve schon noch… Kurz hatten wir uns überlegt doch nicht mehr nach Bolivien zu fahren, sondern gleich nach Peru, aber irgendwie muss La Paz und der Titikakasee ja schon sein. Außerdem führt die Strecke von Arica nach La Paz durch den Nationalpark Lauca auf chilenischer Seite und den Nationalpark Sajama auf bolivianischer Seite.
So sind wir also wieder auf hoch in die Berge gefahren, und wie wir sind, verabscheuen wir nicht nur Wege 2x zu fahren, sondern auch uns Zwischenschlafplätze zu früh am Tag zu suchen. Somit haben wir den guten Rat uns auf 3500m an die Höhe zu aklimatisieren in den Wind geschlagen und sind gleich hochgefahren bis auf 4500m. Da oben wars zwar extrem hübsch, schneebedeckte Vulkane, der höchstgelegenste See der Erde, und ein Haufen nicht scheuer Vizcachas (Flauschige Verwandte des Chinchillas, die in dieser extremen Höhe leben). Dennoch bezahlten wir einen bösen Preis für unsere komische Abneigung, denn die Nacht war geprägt von Schwindel, Atemnot, Kopfweh, Herzrasen und vorallem von nicht-schlafen-können. Grummel….. Wir wollen zurück ans Meer!!

Die Grenze war von diesem Punkt nicht mehr weit entfernt, und nachdem unser Kühlwasser wieder aufgetaut war, fuhren wir grummelnt darauf zu, um nach der nächsten Biegung in einem kilometerlangen LKW-Stau zu stecken. Nach 1,5 Std. kamen wir per Stopp-and-Go an ein paar Häuser und dachten, aha die Grenze, aber warum steht da nix von Grenze. Da klopft es an unser Fenster und der LKW-Fahrer von hinter uns meinte: „ihr braucht übrigens nicht hier zu warten, dies ist nur die Wiegestation für die LKWs….ihr hättet einfach in der Mitte durchfahren können, hättet nicht im Stau stehen müssen…“ Na danke…. wenigstens hat überhaupt jemand was gesagt….
Der Stau auf der anderen Seite war ca. 20 km lang, nur LKWs mit Cotainern beladen. Kein Wunder, da Bolivien kein Zugang zum Meer hat, wird hier alles über die Berge nach Chile rübergefahren…heidanei…
Ein Stückchen weiter und der nächste LKW Stau, dieses Mal sagt uns der chilenische Zoll aber rechtzeitig dass wir uns an den LKWs vorbeiquetschen könnten… Ganz toll wenn einem dabei auch LKWs entgegenkommen… Wird ganz schön eng auf einer einzigen Spur. An den Seiten lagen schon ein paar LKWs samt Ladung in Schieflage …. Oh ja, wir sind so gut wie in Bolivien.
Hier die Fotos aus Arica, den Nationalparks etc.:

Nun sitzen wir also im Hotel Oberland und freuen uns auf unsere letzten Abenteuer in Bolivien :)

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